Du wohnst und studierst in Wien.

Nee, ich bin jetzt fertig!

Achso, Glückwunsch! Die Stadt wird derzeit musikalisch stark gehyped. Würdest du sagen, dass dich die Szene dort bei der Produktion des Albums beeinflusst hat?

Ja, auf jeden Fall. Ich mag Wien sehr gerne und bleib da jetzt auch erst mal, weil man alles Mögliche finden kann. Es herrscht ja immer das Bild von so etwas Sauberem und Spießigem vor, aber wenn man die Augen offen hält kann man echt viel entdecken. So zum Beispiel auch die ganze Beat-Szene, da geht echt viel Innovatives zur Zeit. Da würde ich auf jeden Fall sagen, weil ich auch Teil dessen bin, dass mir viele Einflüsse und Ideen zugespielt werden.

Momentan kommt gefühlt viel mehr Musik aus Österreich auch mit Dialekt raus, beispielsweise Bilderbuch oder Rapper wie Crack Ignaz, die deutsche Musikpresse spricht da gerne schnell vom neuen Austro-Pop – glaubst du, das stimmt?

Naja, Deutschland ist einfach das größere Land und sobald dort etwas ankommt, ist es in Österreich schon sehr erfolgreich. In Deutschland kriegt man von drüben eben vieles nicht mit. So gesehen ist diese Medienaufmerksamkeit dann schon ein länderübergreifendes Erfolgskriterium für österreichische Musik.

Du produzierst deine Beats größtenteils selbst, hast du in Bezug auf dein Sounddesign musikalische Vorbilder? Ich frage deshalb, weil mich der Beat von „Kind Sein“ stark an „In India“ aus der Beatkonducta-Reihe von Madlib erinnert.

Ach krass, das hat mich letztens schon mal jemand gefragt. Aber nee, tatsächlich hatte ich Madlib länger zur Seite gelegt. Explizite Vorbilder habe ich jetzt nicht. Ich hab 2011 mit dem Producen angefangen und seitdem hat sich mein eigener Style recht organisch entwickelt.

Du samplest auch viel in Jazz-Richtung oder speziellere Sachen wie Hörspiele – bist du darauf aus, ausgefallene Samples zu finden?

Eigentlich nicht. Ich muss sagen, ich bin dazu zu faul und auch wenig idealistisch. Ich versteh diesen Idealismus dahinter nicht, dass es unbedingt ein Sample sein muss, was noch nie jemand benutzt hat oder was ich im Plattenladen in Simbabwe gefunden hab. Es ist sowieso unwahrscheinlich, dass etwas global noch nie gesamplet wurde (lacht). Ich bin schon echt gerne im Plattenladen, aber genauso kann ich mich durch YouTube oder SoundCloud wühlen und finde da auch neue und coole Sachen, die ich verwenden will.

Auf dem Track „Kind Sein“ geht es um die Sehnsucht nach Unbeschwertheit. Hast du für dich schon mal tiefer darüber nachgedacht, woher diese Sehnsucht kommt und wie du sie stillen kannst?

Ja, da denk ich viel drüber nach. Ich glaube einfach, dass heute viele Dinge, Meinungen und Erwartungen an einen heran getragen werden, mit denen man vielleicht nicht direkt fertig wird und die einen überfordern. Als Kontrast dazu steht dann dieses einfache Sein, man muss nichts darstellen, macht sich vielleicht auch nicht so krass Gedanken zu etwas. Ich glaube, diesen Zustand versuch ich aber auch aktiv zurück zu holen für mich – in dem Sinne, dass ich versuche ein positiver Mensch zu sein und mich locker zu machen. Man nimmt oft viele Sachen zu ernst, macht sich unglaublich viel Stress und dann löst es sich von selbst.

Gibt es einen konkreten Sehnsuchtsort in diesem Wunsch nach Kind Sein? Für mich ist zum Beispiel mit meinen Großeltern zu Abend essen der absolute Frieden.

Ja, gibt es bei mir auch, das wäre dann aber der Fußballplatz (schmunzelt).