Ich finde, dieses positive Denken zieht sich durch die ganze neue Platte, zum Beispiel auf „Strandmatte“ sprichst du von schlimmen Dingen, die passiert sind, kommst dann aber zum Schluss, dass eben trotzdem Sommer ist und du dich darüber freust. Das Album wirkt insgesamt als wärst du näher bei dir selbst.

Hmh (denkt nach). Interessant, dass das so wirkt. Ich glaube… Ja, vielleicht ist es in bestimmten Punkten so, aber insgesamt habe ich doch noch viele Konflikte mit mir zu lösen.

In deinem Pressetext steht, dass du kein Youtube-Rapper bist und Tweefs dir fremd sind. Beim Lesen wirkte das auf mich total absurd, weil du für mich so ganz am anderen Ende dieser Szene stehst. Glaubst du, es ist heute notwendig, das explizit zu betonen?

Naja, ich schreib meinen Pressetext zum Glück nicht selbst. Es gibt eben viele, die das so machen und eher durch sowas Aufmerksamkeit generieren. Was mich da aber noch mehr ankotzt, ist die deutschsprachige HipHop-Presse, die auf sowas immer reagiert. Das ist meiner Meinung nach nicht berichtenswert. Wenn man Twitter einfach aus der Diskussion lassen würde, wäre das schon echt ein Fortschritt. Das macht dann auch oft Hypes aus, die eigentlich wenig Substanz haben. Viele springen dann auf einen rollenden Zug auf, nicht aus Interesse, sondern aus Erfolgsgeilheit und das nervt mich wirklich. Musste ich jetzt mal loswerden (lacht).

Diese HipHop-Presse, was wir ja jetzt gerade auch sind, ist eh ein Thema für sich. Viel besteht da einfach aus copy-paste. Aber auch der musikalische Horizont ist nicht so groß glaub ich, sobald Genres irgendwie gemischt werden, herrscht erstmal Verwirrung.

Ja, stimmt eigentlich. Das ist eh ein speziell deutsches Problem hab ich das Gefühl, dass wenig Innovatives im Sinne von mal über den Tellerrand schauen und neues ausprobieren passiert. Das passiert woanders öfter, wenn man sich Musik von FKA twigs oder so anhört. Das ist wirklich fresher.

Aber zurück zu dir: Ich finde ja, du machst das mit dem innovativ sein auf Deutsch gut. Du gibst dir sogar im Track „Sonst nichts“ ein eigenes Genre und zwar Hippie-Rap. Wenn man dieses Label als offizielle Genrebeschreibung etablieren würde, was für Eigenschaften hätte es?

Puh, echt schwierige Frage… Einerseits hatte ich grade den Impuls dir zu widersprechen, weil ich Hippie-Rap gar nicht so passend finde. Ich bin ja nicht nur friedlich, ich rege mich über vieles auf und bin unzufrieden. Andererseits gibt es eben dieses Streben danach, ein positiver Mensch zu sein, was ich passend finde für Hippie-Rap. Als Genre sollte es sich auf jeden Fall gechillt anhören. Ja, man sollte gut dazu rumsitzen können und ‚ne gute Zeit haben.

Dass du auch oft politische oder gesellschaftliche Fragen in deiner Musik verarbeitest, hattest du im JUICE-Interview mit Fionn (Birr) auch besprochen. Ich finde die Beschäftigung mit Ungerechtigkeit gehört aber genauso zum Hippietum dazu. Wenn man das nicht romantisch verklärt, war die Hippiebewegung ja hauptsächlich eine politische.

Stimmt. Vielleicht mache ich wirklich Hippie-Rap. Ist auch ein schönes Label, kann ich mit leben (grinst).

Im Track „Highland“ stellst du dir einen alternativen Himmel vor, in dem alle viel kiffen und ziemlich entspannt sind. Beschäftigst du dich privat mit dem Thema Religion?

Ja. Ich bin auf Reisen viel damit in Berührung gekommen, aber auch im Alltag. Momentan springt einen das Thema ja auch förmlich an, überall wird über den Islam diskutiert und dabei fällt mir dann auch wieder die Ungerechtigkeit beziehungsweise Diskriminierung auf, über die ich mich einfach aufrege. Früher waren es die Juden und heute sind es die Muslime und Muslima oder so. Ich glaub ich wollte bei „Highland“ ein kleines Kontrastprogramm zu diesem ganzen Hass und der Angst schreiben.

Ist dir gut gelungen! Vielen Dank für das schöne Interview.

Interview: Alina Klöpper / Fotos: Jens Peters