Wo ist der Unterschied zwischen dir als Mensch und als Rapper?

Meine Lyrics sind deswegen authentisch, weil sie aus meinem Kopf, aus meinem Geist entsprungen sind. Lyrisch schlage ich manchmal über die Stränge und bringe einfach böse Rhymes … lyrische Gewalt, die ich in Wahrheit niemals umsetze. Ich glaube, dass ich das immer richtig zu verstehen gebe. Wenn ich zum Beispiel sage „Ich brech‘ dir deine Beine und zwinge dich zum Gehen“, dann ist das nicht so, als wenn ich dir wirklich die Beine brechen würde und dich zum Gehen zwinge, obwohl diese Form tatsächlich in Guantanamo an den Arabern angewandt wird. So versuche ich manche Sachen, die böse sind auf der Welt, zu verarbeiten und darzustellen. Wenn jemand kommt und fragt, was ich damit meine, dann mach ich das klar und weise darauf hin. Manche Sachen wissen die Leute nicht. Bei Pflaumenkuchen zum Beispiel … was willst du da sagen? Was ist daran authentisch? Die Pflaume ist die Pflaume, du weißt schon. Als SS Häuptling, wie ich früher unterwegs war, gibt’s auch Sachen, die ich erzähle, die stimmen! Und auch jetzt hab ich das verarbeitet mit Adamo: „Frag meinen Mula Adamo wie’s im geht mit Gasvergiftung halbtot in der Wohnung“. Das sind dann authentische Sachen. Ich verbinde die Realität mir lyrischer Gewalt in einem großen Mansch. Ich hab auch bestimmt ’nen Haufen Scheiß gemacht. Ich bin kein guter Junge, aber im Endeffekt muss ich nicht die ganze Zeit von meinem Vorstrafenregister und meinen Verurteilungen erzählen. So viele Rapper pochen auf Authentizität! Es ist mir scheiß egal, was du gemacht hast: ob du mal ein Grämmchen Gras oder Koks verkauft hast, ob du hart aufgewachsen bist oder nicht. Ich kenn Typen, die sind nicht besonders hart aufgewachsen, aber das Leben hat die trotzdem erwischt. Auch wenn sie keinen Migrationshintergrund haben, nicht im echten Ghetto groß geworden sind, wo den ganzen Tag nur getickt wurde und Leute mit Uzis rumschießen. Die haben trotzdem viel zu erzählen, auch wenn die kein Kilo Koks an den Eiern hängen hatten. Die ganzen Ghetto- und Gangsterrapper … nee, Alter. Das ist doch alles Humbug. Ich bin ein ganz einfacher und simpler Mann und mach aggressive und entspannte Raps.

Ist deine Musik exklusiv?

Ich mache ja, wie manche sagen, Nischenmusik, Randmusik. Ich kann nix dafür, dass so wenig so gute Musik mögen und die Masse nun mal auf die Blödheit steht. Guck dir an, wer gewählt wird. Guck dir an, wer hier der „beste“ Rapper ist. Guck dir an, wer Bürgermeister oder Bürgermeisterin in Erfurt ist. Guck dir an, was die Masse hört. Die Masse ist bescheuert. Die Masse hat auch Hitler gewählt und so weiter. Die Masse ist dumm und hat keinen Geschmack und sagt nicht, dass sie Sachen mögen, die nicht 1000 andere hören. Einen eigenen Geschmack zu haben ist wirklich eine Rarität. Mir ist das eigentlich egal. Es gibt da so ein Sprichwort: „Hüte dich vor großem Applaus!“. Ich mache keine Musik, um die Masse zu erreichen. Das wäre gar kein Problem, weil es bestimmte Akkorde und Sachen gibt, die einen Hit garantieren. Unsere Musik hat immer mit Freundschaft zu tun. Bei uns ist das alles freundschaftlich und familiär verbunden. Bei den Großen ist das mit Business und so verknüpft: Die machen Musik, die sich gut verkaufen soll. Aber wir machen die Musik, die wir wollen, egal ob wir in die Charts kommen. Ist natürlich cool, wenn du davon Leben kannst, ’ne Fanbase hast und Auftritte.

Ich hab das Gefühl, dass es immer dieselben 5 Nasen sind, die das deutsche Rapgame bestimmen. Andererseits ist der Untergrund groß wie nie.

Das ist tatsächlich so. Das ist ein Kreis, der sich schließt. Es gibt die Funkverteidiger, die OFDM-Crew, das 2 Zimmer Gefüge, Dramadigs, Entourage, Sichtexot. Jeder von denen hat sein Publikum gefunden, eine Fanbase, und kann unabhängig von der Chart-Scheiße existieren. Wir sind, glaube ich, alle nicht unglücklich, dass wir nicht in den Charts rumspringen.

Die sind ja auch untereinander befreundet.

Es wächst auch noch. Da bin ich ganz zuversichtlich, dass es auch noch größer wird, also nicht wirtschaftlich. Das es da noch ’nen großen Bums geben wird, das verspreche ich dir!

Das war’s schon. Willst du noch irgendetwas loswerden?

Nee, Mula.

Danke dir.

Interview: Jens Peters / Foto: Jakob Hoff