Weltfrauentag und die Kannibalen in Zivil – dass diese Kombination auf groteske Art und Weise unglaublich gut funktioniert, haben K.I.Z letzte Woche zum fünften Mal bewiesen. Und das in Minikleidern, mit Lippenstift und Blumen in den Haaren.

Beim Musik & Frieden (in den Räumen des ehemaligen Magnet Clubs) in Kreuzberg angekommen, realisieren wir als erstes: Wir werden K.I.Z in einem kleinen Club mit höchstens 500 Besucherinnen sehen! Da alle Anwesenden die Künstler in Zwangsjacken bisher in Hallen oder auf großen Festivalbühnen bestaunen durften, sind wir mehr als erfreut. Als Vorband tritt der Berliner Kneipenchor auf, der ein Set aus Evergreens schräg, aber mit Leidenschaft performt und so ganz gut anheizt (als ob es das bräuchte…).

Als K.I.Z schließlich die Bühne betreten, explodiert die Stimmung geradezu. Alle vier geben wunderhübsche Ladies ab, wobei Nico am überzeugendsten in seiner Rolle ist – in rosa Bademantel und mit Lockenwickler-Perücke hält er Sektglas und Kippe in formvollendeter Eleganz in der Hand und beschwört das Gemeinschaftsgefühl der Crowd. Schließlich sind wir alle Schwestern, wir sind selbstbestimmt, verdienen unser eigenes Geld und machen unser Ding!

Die Setlist haben Nicole, Maxim, Tanja und DJ Sexy entsprechend des Anlasses umgestaltet und so ist „Ich könnte deine Mutter oder deine Schwester sein“ ein perfekter Opener. Im Verlauf des Abends spielen die Klosterschüler im Zölibat sich durch ihre gesamte Diskographie, es gibt genauso „Der Schöne und das Biest“ wie „Was würde Manny Marc tun?“ zu hören. Die neueren Tracks zünden dabei meist besser, wobei die Stimmung durchgehend gut ist. Das mag zum einen am steigenden Alkoholpegel sowohl im Publikum als auch auf der Bühne liegen, das Gelaber auf der Bühne trägt jedoch ebenfalls einen guten Teil dazu bei. Niemand wird müde zu betonen, dass wir alle wunderschöne Königinnen sind oder Ratschläge bei fremdgehenden Männern zu geben. Selten durfte man ein derart lustiges Konzert besuchen. Doch wie auch in K.I.Zs Rap hört man immer wieder ernst gemeinte Kritik aus der Übertreibung. Als beispielsweise aus dem Publikum „Ausziehen!“-Rufe ertönen, ist man auf der Bühne verwundert bis ärgerlich, dass hier „Techniken der Unterdrückung“ übernommen werden. Wirklich wahr, vielleicht sind K.I.Z tatsächlich die Gleichstellungsbeauftragten der Szene.

So far: K.I.Z sind immer einen Besuch wert, am Weltfrauentag aber nochmal ein besonderes Highlight. Die familiäre Atmosphäre kleiner Konzerte, die Überzeugung mit der K.I.Z ihr Frauending durchziehen und einen Pogo mit ausschließlich Frauen zu erleben – Drölf Punkte auf einer Skala von 1 bis 10.

Foto: K.I.Z (Facebook)