Künstler in Zwangsjacken, Kannibalen in Zivil oder Klosterschüler im Zölibat – wir kennen und lieben K.I.Z unter den vielen Namen, die sie sich im Laufe der Jahre zugelegt haben. Den vergangenen Jahren wollen wir an dieser Stelle huldigen, denn „Böhse Enkelz“ wird heute auf den Tag genau 10 Jahre alt.

Anno 2016 sind K.I.Z regelrechte Superstars des Deutschraps wahlweise der Musikbranche und erobern die Herzen mit niemals anbiederndem, politisch (in)korrektem Satireprogramm mit mindestens drei Böden. Spätestens das Nummer 1-Album „Hurra, die Welt geht unter“ mit zurecht gehyptem Titeltrack ist wohl Schuld daran. Dass Nico (damals noch als Euro8000), Maxim, Tarek und DJ Craft schon 2006 Genies waren, zeigt allein das freshe bis bescheuerte Konzept des „Böhse Enkelz“-Tapes: Den roten Faden bilden gebitete Beats – man mag auch an das Wörtchen Hommage denken – beispielsweise von den Beginnern, den Ärzten oder Torch, über die  hemmungslos der Wahnsinn des Berliner Untergrunds ausgekippt wird. Für diesen Wahnsinn kann man zu Teilen wahrscheinlich den Royal Bunker verantwortlich machen. Wer einen Track mit einem gebrülltem „K.I.Z aka das Ende der Meinungsfreiheit, Mutterficker“ ankündigt, dem darf man wohl getrost die Rücksichtslosigkeit und den absurden Witz eines Taktlo$$ zuschreiben. Andererseits bewegen sich K.I.Z auch auf „Böhse Enkelz“ schon in weitaus politischeren Gefilden als gemeinhin vermutet wird (Stichwort: „Die sind doch erst seit dem neuen Album links!“). Mit unbestechbarer Logik heißt es beispielsweise auf „Ich esse Reiche“: „Fick deine Kreditkarten, bald bist du ein Spießbraten“.

Aus heutiger Sicht bemerkenswert sind die Feature-Parts auf „Böhse Enkelz“, so hören wir zum Beispiel einen damals dauerwütenden Tua auf „This Way RMX“ und Kuba, der sich später mit seinen Parts in „Neuruppin“ („Hahnenkampf“) und „Lauf Weg“ („Urlaub fürs Gehirn“) einen großen Namen im K.I.Z-Universum machen wird. Bis heute überdauerndes Hitmaterial gibt es auf dem Tape sowieso zuhauf – der „Hurensohn RMX“ ist vermutlich bekannter als das Original vom „Rapdeutschlandkettensägenmassaker“, „Was willst du machen?“ oder „17 Jahr, blondes Haar“ taugen zu allerhand Anlässen. Das Ausmaß an Beklopptheit dieses Tapes konnte in der K.I.Z-Diskographie wohl erst vom Nachfolger „Ganz Oben“ überboten werden.

In diesem Sinne: Much love & einen schönen „Böhse Enkelz“-Tag!