Jemand zündet im Off einen Joint an und atmet Rauch aus? Huch, ganz  schön Cliché! „Ach du Scheiße, ist das dope!“ möchte man dann aber rufen, wenn man Umses „Hawaiianischer Schnee“ aufdreht und das erste Sample, von Deckahs Beat untermalt, aus den Boxen pocht. Ab der ersten Sekunde sympathisch verlängert uns der Ratinger per warmen Boombap-Beats und melodischen Hooks den Sommer. Der Flow ist dabei relaxed wie immer, ein bisschen spoken word, ein bisschen old school, aber verdammt frisch und authentisch. Man merkt, dass es ihm nicht drauf ankommt, ob man nun ein oder fünf Jahre an einem Release bastelt, sondern wie lange es Spaß macht:

„Ne Platte muss bloß gut sein, keinen Schwanz hier interessiert konkret wie lang man an ihr saß, es zählt wie lange sie rotiert!“

In Umses Fall hat die neue Scheibe nur ein Jahr auf sich warten lassen – egal! Überhastet klingt das Vorgetragene nämlich keinesfalls.  Wie auf den meisten anderen Tracks untermalt von 70er-R’n’B-Samples und Orgel, schreitet er Schritt für Schritt voran, denn „Stillstand ist der Tod“.  Auf „Menschen“ zeigt er den Hörer_innen die positiven und negativen Seiten der menschlichen Existenz auf, ohne dabei aber platt zu werden. Es wirkt im Gegenteil motivierend und fordert indirekt auf, mehr Nächstenliebe zu leben. Die Freundlichkeit und Offenheit wird hier auch stark vom an Gustav Gans von den Absoluten Beginnern erinnernden Beat getragen.

Aber Stop, hier wird nicht geschunkelt sondern mit dem Kopf genickt und dazu passt „Die Bombe tickt“ perfekt! Der Track macht direkt Bock zur nächsten Cypher zu fahren. Generell wirkt nichts auf der Scheibe prätentiös, keine Überheblichkeiten weit und breit.  Das Feeling ist eher wie beim besten Freund im Auto. Der dazu noch deine Lieblingsbeats pickt und dir einen Joint reicht. Sozusagen ist „Hawaiianischer Schnee“ Gras für die Ohren, denn ab und zu grinst man wie blöd und weiß nicht ganz warum, trotzdem ist man glücklich:

Kick raps, seh´ zu das der shit flasht, nichts stresst. Verwandel´  XL-Probleme in XS.“

Die Texte sind eben nicht neu oder großartig weltbewegend, aber sie klingen authentisch und die Beats dürften den meisten auch gefallen. Gepitchte Voice-Samples und Orgeltöne, klatschende Snares und Klavierlinien unterstreichen dazu auf gleichbleibend hohem Niveau Umses Parts. „Ich verändere die Welt mit Liebe“ („Ich weiß“ feat. Dike) – ob das nun reicht um die Welt zu retten? Wahrscheinlich nicht. Aber zumindest seinen Zuhörer_innen schenkt er ein paar glückliche Stunden. Der  Mann hält, was er verspricht: man spürt deutlich seine Liebe zum gesprochenen Wort, zu Beats, Hommagen an Beatbastler und Rhymer früherer Zeiten und der eindeutigen Message: „Versuchs mal mit Musik wenn du in den Seilen hängst und denkst, es interessiert kein Schwein!“

Käufer der iTunes-Version dürfen sich am Ende der Platte über „Yeah!“ freuen. Der Track mit dem größten Radiopotenzial. Ob das nun gut ist oder nicht, kann jede_r für sich entscheiden.

„Das ist der beste Sound den’s gibt aber da geht noch mehr!“ Ja bitte, mehr davon!