Dass Veedel Kaztro einer von den Guten ist, hat er schon oftmals bewiesen. Mit seiner Büdchen-Reihe hat der Kölner dem Hängertum einen ganz neuen Charme verliehen. Auf Beats zwischen Boombap und Cloud wurde mal tiefenentspannt über das Leben als Sohn eines Katers philosophiert, dann wieder wurden Männlichkeitsentwürfe im HipHop oder generell in der Welt dezidiert und humorig auseinander genommen.

Die „Fußball EP“ heißt als erstes Release nicht „Büdchen“ LP, EP oder Tape, verfolgt aber doch die eingeschlagene Linie weiter. Mit warmen, fast schon fliegenden Beats, liebenswerten Nonsense-Tracks, allen voran „Cro Money“, der inklusive trashigem 90s-Beat und superfancy Video zum (Spät-)Sommerhit taugt, in Kombination mit einer straighten Haltung positioniert sich Costa Kwanta endgültig zum Aushängeschild des Qualitätslabels Melting Pot Music. Dass diese Haltung unangestrengt, wie im Vorbeigehen beispielsweise in die Chillerhymne „Mäuerchen One“ in Zusammenarbeit mit Young Paul eingeflochten wird, macht das Ganze noch einmal sympathischer:

„Ganz im Ernst, was soll uns stör‘n? / Der Platz, den wir brauchen, ist nicht größer als ein Fahrradsitz / Mäuerchen One, Mäuerchen One / Wir sind die Mäuerchen Bros, alle Leute sind willkommen“

Die EP hinterlässt jedoch auch den Eindruck, dass Veedel sich mit seinem bisherigen Output als technischer Rapper ausgetobt hat (beispielsweise mit dem Track „26.138.512.745 Bars“, der den Hörer jedoch vor allem schmunzeln lässt) und nun unkonventionellere Rap-Formen ausprobiert. Da wäre zum Beispiel der rausschmeißerartige Track „Bilderbuch“, der an Kollegen wie Shawn The Savage Kid denken lässt. Ein jazziger Beat, auf den Veedel mehr singt als rappt und das durchaus verschwurbelt und mit genau der richtigen Portion Sprachverliebtheit:

„Die Kinder tanzen dir immer auf der Nase rum / Schmeißen mit Aquarien aufs Solarium / Tanzen auf Böden und tanzen an Wänden / Doch alles nimmt jedes Mal ein gutes Ende“

Andererseits hat der Kölner weiterhin nichts an Humor eingebüßt. Wo schon alleine der titelgebende Track „Fußball“ mit wahllos eingeschmissenen Begriffen im anno 2015 üblichen, trappigen Sprachduktus daher kommt („Schüsse, Tore, Poldi, Schweini“) und man unweigerlich grinsen muss, erinnern andere Lines zeitweise sogar an Nico von K.I.Z oder Taktloss. „Mein Pimmel länger, als die Linie 18 / Dein Pimmel grad mal so lang, wie die Linie 5“.

Die „Fußball EP“ zeigt, dass Veedel K. zu einem der ganz Großen des hiesigen Untergrunds gehört. Vor allem die erstklassige Beatauswahl und Veedels unnachahmliche Lässigkeit machen die 25-minütige Tracksammlung zu einem schönen und stimmigen Interlude in seiner Diskographie. Vereinzelte Instrumentals von Mels steigern definitiv den sowieso großen Bock auf das schon diesen Monat erscheinende Album „Fenster zur Straße“ in Zusammenarbeit mit ebenjenem Produzenten. Sag mal weiter!

Die EP kann bei uns heruntergeladen werden.